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Große Bühne fürs Revier: Chance oder Belastung durch Olympische Spiele?
Man kommt im Moment kaum an ihnen vorbei, und das liegt nicht nur an plakativen Werbekampagnen: Bis zum 19.04. finden im Ruhrgebiet entscheidende Ratsbürgerentscheide statt. In den Kommunen dürfen die Bürger*innen entscheiden, ob sich die Städte an der Bewerbung von Nordrhein-Westfalen für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 beteiligen. Ich finde, dass wir trotz berechtigter Skepsis als Ruhrgebiet diese Chance ergreifen sollten.
Fragwürdige Entstehung
Bevor wir inhaltlich einsteigen eine wichtige Einordnung: Seit vielen Jahren arbeiten die politischen Gremien im Ruhrgebiet rund um die Kommunen und den RVR an einer eigenen Bewerbung für Olympische Sommerspiele. Dazu stand nicht nur die RVRSPD in regem Austausch mit dem DOSB. Dass Hendrik Wüst die beteiligten (Ober-) Bürgermeister*innen aus der Presse erfahren lässt, dass nun doch Köln im Fokus steht, ist kein Teamplay. Es macht einmal mehr deutlich: Für diese schwarz-grüne Landesregierung spielt das Ruhrgebiet nur eine Nebenrolle. Nichtsdestotrotz müssen die Städte und Gemeinden nun damit leben, was sie haben können. Deshalb wollen wir nun gemeinsam auf die Vor- und Nachteile rund um die aktuelle Bewerbung schauen.
Die Infrastruktur ist da, bringen wir sie für alle ins Jahr 2040!
Wir alle kennen die Bilder aus Ländern, in denen alte Olympiaanlagen verrotten. Das passiert immer dann, wenn Infrastruktur nur für Sommer- oder Winterspiele gebaut wird. In NRW ist das anders: 100 Prozent der Infrastruktur sind bereits im Einsatz oder bereits geplant. Dadurch bietet die Olympische Bewerbung großes Potenzial für Sanierung von Anlagen, die bereits vom Breitensport im Ruhrgebiet genutzt werden. Bei diesen Sanierungsarbeiten kann man nun den Fokus auf Themen wie Energieeffizienz und Barrierefreiheit setzen und so mehr Menschen den Zugang zu Breitensport ermöglichen.
Paralympics und Olympics Zusammendenken
Die angestrebte NRW-Bewerbung denkt Olympische und Paralympische Spiele so eng verzahnt wie nie zuvor. Die Paralympischen Spiele sind gleichwertiger Bestandteil der Bewerbung.
Paralympische Spiele können Motor für den Sport von Menschen mit Behinderung im Ruhrgebiet werden. Bestehende Sportvereine werden angeregt, neue Angebote sowohl für den Breitensport als auch für den Leistungssport zu entwickeln, sodass mehr Menschen mit Behinderung Zugang ermöglicht werden könnte. Außerdem können die mediale Präsenz und lokale Begeisterung Nachwuchsarbeit fördern und Investitionen in barrierefreie Sportstätten und Förderprogramme begünstigen, die langfristig eine inklusivere Sportkultur etablieren.
Das Ruhrgebiet kann Großveranstaltungen!
Ruhr Games 25 und FISU World University Games Rhine-Ruhr, Swiftkirchen und Fußball-EM: Diese Region kann Großveranstaltungen. Besonders der Sommer 2025 hat gezeigt, dass das Ruhrgebiet mit seiner Gastfreundlichkeit und Infrastruktur perfekt für internationale Sport- und Kulturveranstaltungen ist. Die kombinierten Ruhr Games 25 und FISU World University Games Rhine-Ruhr luden die Internationale Studierendengemeinschaft ins Ruhrgebiet ein und gab ihnen die Chance, sich auf höchstem Niveau im Spitzensport zu messen. Flankiert wurden die Games von Konzerten von Ayliva, Ski Aggu, Querbeat und Deichkind. Damit hat das Ruhrgebiet die perfekte Generalprobe für Olympia bereits mit Bravour bestanden.
Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen muss diese Spiele ausmachen!
Es ist entscheidend, die Menschen in der Region mitzunehmen und Begeisterung für Olympische Spiele vor ihrer Haustür zu wecken. Was macht Olympische Spiele an Rhein und Ruhr besonders? Das definieren vor allem junge Menschen in der Region.
Gerade im Ruhrgebiet hat man sich auf die Fahnen geschrieben, Kinder und Jugendliche mehr zu beteiligen. Nicht nur fast jede Stadt hat mittlerweile ein Kinder und Jugendparlament, der RVR stellt gerade die Weichen, die Region als Europäische Jugendhauptstadt in Stellung zu bringen und setzt dafür auf ein neues groß angelegtes Beteiligungsformat. Diese Ressourcen müssen wir für die Ausgestaltung der Spiele aktiv nutzen.
Klare Verantwortung für Risiken
Dennoch müssen die Landesregierung und die Ausrichterstädte Antworten auf offene Fragen liefern. Die Spiele müssen so nachhaltig wie möglich sein. Wir brauchen Konzepte gegen steigende Verkehrsbelastungen und Mietpreisexplosionen. Für die ohnehin klammen Kommunen im Revier muss klar sein: Olympia darf nicht im finanziellen Ruin enden oder zur Kostenfalle zulasten der Daseinsfürsorge werden.
Fazit
Die NRW-Bewerbung ist eine große Chance für das Ruhrgebiet, auch wenn die Landesregierung sich im Prozess bisher nicht mit Ruhm bekleckert hat. Entscheidend ist, dass die Region langfristig profitiert. Dafür müssen der Breitensport gestärkt und die Infrastruktur modernisiert werden. Das erfordert große Investitionen und politischen Willen. Klar ist für mich aber auch: Als Jusos müssen wir Akteuren wie dem DOSB und IOC kritisch auf die Finger schauen. Profitgier und Skandale der Vergangenheit dürfen die Begeisterung für diesen sportlichen Aufbruch nicht ersticken.
Mehr Infos zur NRW-Bewerbung: https://olympiabewerbung.nrw
Luis Zilm
ist Mitglied des Ruhrparlaments, Teil des Aufsichtsrats der Ruhr Games und hat vor seinem Mandat zwei Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Ausschuss für Kultur Sport und Vielfalt die Umsetzung der Ruhr Games 25 und FISU World University Games Rhine-Ruhr politisch begleitet.
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